Held: „Demokratie bedeutet manchmal, dicke Bretter zu bohren“
Das starke Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt alamiert auch den CDU-Kreisvorsitzendem Wilke Held. Für die Kommunalwahl am kommenden Sonntag zieht er daraus einen persönlichen Schluss: In den kommenden sieben Tagen will er alles dafür tun, Menschen zum Wählen und zum Gespräch über die Zukunft Emdens zu bewegen.
„Ich kann jeden verstehen, der sich heute Sorgen um die Zukunft unseres Landes und seiner Kinder macht. Kann es so ein Ergebnis auch in Emden geben? Aber Angst ist ein schlechter Ratgeber. Ich möchte mich davon nicht lähmen lassen.“
In den vergangenen Wochen habe Held bei seinen Haustürbesuchen viel Frust erlebt. Menschen sagten ihm, dass sie Parteien nicht mehr vertrauten, keinen Kandidaten überzeugend fänden oder angesichts der wirtschaftlichen Lage fürchteten, in Emden könnten irgendwann „die Lichter ausgehen“.
Besonders im Gedächtnis geblieben sei ihm ein Gespräch über die schwierigen Aufgaben der kommenden Jahre. Held habe von „dicken Brettern“ gesprochen, die Politik bohren müsse. Die Antwort: „Das sagt ihr immer. Es sind immer dicke Bretter.“
„Und damit hat sie sogar recht“, sagt Held. „Demokratie ist oft anstrengend. Interessen widersprechen sich, Geld ist knapp und nicht jedes Versprechen lässt sich halten. Ich kann niemandem versprechen, dass in fünf Jahren alles besser ist. Ich kann versprechen, mich reinzuhängen und gemeinsam mit anderen nach Lösungen zu suchen.“
Genau diese Fähigkeit werde der neue Stadtrat brauchen. Bei wirtschaftlichen Ansiedlungen, dem städtischen Haushalt oder Investitionen in Schulen müssten Mehrheiten auch schwierige Entscheidungen treffen und anschließend gemeinsam tragen.
„Dafür braucht es Vertrauen. Man muss zuhören, streiten, Kompromisse schließen und manchmal auch unpopuläre Entscheidungen vertreten. Genau das verstehe ich unter Verantwortung. Politischen Extremen mit völkischem Nationalismus vertraue ich diese Verantwortung nicht an.“
Held verweist zugleich auf das ausgeprägte ehrenamtliche Engagement in Emden. Die Stadt funktioniere jeden Tag, weil Menschen in Vereinen, Organisationen und Nachbarschaften selbst die Ärmel hochkrempelten und Verantwortung für andere übernähmen.
„Das ist das Emden, an das ich glaube. Nicht Ausgrenzung, sondern anpacken. Nicht einfache Antworten versprechen, sondern gemeinsam Lösungen finden. Wir brauchen nach dem 13. September einen Rat, der mit strategischer Weitsicht und gemeinsam mit Oberbürgermeister Tim Kruithoff Antworten auf die großen Fragen unserer Stadt findet.“
Deshalb richtet Held seinen Appell ausdrücklich auch an Menschen, die sagen, sie hätten keine Zeit oder keine Lust auf Politik.
„Niemand muss jeden Antrag lesen und jede Ratssitzung verfolgen. Aber gerade jetzt sollten wir miteinander über diese Wahl sprechen – in der Familie, am Arbeitsplatz, im Verein oder mit den Nachbarn. Und dann wählen gehen. Wählt Menschen, denen ihr zutraut, auch die dicken Bretter zu bohren.“
Held abschließend: „Jede Stimme zählt. Vertrauen in die demokratische Mitte zählt. Jetzt erst recht.“